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Mythen über Sexualität von Menschen mit Behinderung

Es halten sich Mythen über die Sexualität von Menschen mit Behinderungen, die das Aufdecken sexueller Gewalt erschweren. Lesen Sie hier auch: "Das können Sie tun"

Mythos 1

  • Menschen mit geistigen Behinderungen haben keine Sexualität.
  • Wer „keine Sexualität hat“, kann nicht Opfer sexueller Gewalt sein.

Wahr ist...

  • Menschen mit (egal welcher) Behinderung sind, wie alle Menschen, sexuelle Wesen. Wir alle „lernen“ Sexualität durch Aufklärung und Erfahrungen.
  • Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung wird Sexualität als Thema in Erziehung und Sozialisation vernachlässigt.
  • In Schulen, Wohn- und Werkstätten herrscht viel Unsicherheit im Umgang mit Sexualität.

Die Folgen

  • Oft wird Sexualität erst dann thematisiert, wenn etwas „Problematisches“ passiert ist oder zu passieren droht (Pubertät).
  • Mädchen und Jungen mit Behinderungen werden kaum sexuelle Erfahrungen zugestanden.
  • Sie kennen sich nicht aus, fühlen sich unsicher und können Risiken und Übergriffe nicht einschätzen.

Mythos 2

  • Menschen mit Behinderung sind besonders geschützt und fast immer unter Aufsicht.
  • Deshalb ist die Gefahr, Opfer von sexueller Gewalt zu werden, sehr gering.

Wahr ist...

  • Täter von sexualisierter Gewalt kommen meist aus den sozialen Umfeld.
  • In geschützten Umgebungen ist die Gefahr von Grenzüberschreitungen groß.
  • Wer für sein Überleben auf die Hilfe des Täters (z.B. eines Betreuers oder Familienangehörige) angewiesen ist, hat es sehr schwer, sich zu wehren.

Mythos 3

  • Menschen mit Behinderung sind sexuell nicht anziehend und deshalb gibt es keine Gefährdung hinsichtlich sexueller Gewalt.

Wahr ist...

  • Unabhängig von der realen Attraktivität vieler Menschen mit Behinderungen ist diese für Täter nicht von Bedeutung. Ihr Motiv liegt, wie immer, wenn es um sexualisierte Gewalt geht, in dem Bedürfnis, Macht über eine Person zu erlangen und das Gefühl von Überlegenheit zu spüren.

Mythos 4

  • Sterilisation (oder eine andere sichere Verhütungsmethode) verringert die Gefährdung von Frauen und Mädchen, Opfer von sexualisierter Gewalt zu werden.

Wahr ist...

  • Durch eine Sterilisation kann sich die Gefährdung, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden erhöhen, …nämlich dann, wenn der Täter von der Sterilisation weiß (und eine Schwangerschaft als sichtbare Folge nicht möglich ist).

Mythos 5

  • Sexualaufklärung und Förderung der Selbstbehauptung von Menschen mit Behinderung ist nicht nötig und zu kompliziert.

Wahr ist...

  • Absoluten Schutz vor sexueller Gewalt gibt es nicht. Aber Aufklärung und Information über Sexualität und Rechte im Allgemeinen und besonders in Bezug auf Gewalt sowie Stärkung des Selbstbewusstseins und der sexuellen Selbstbestimmung verringern das Risiko, Opfer sexueller Gewalt zu werden.
  • Aus einer Vergleichsstudie mit Frauen mit geistiger Behinderung geht hervor, dass von den zu Sexualität unaufgeklärten Frauen 100% sexuelle Übergriffe erfahren hatten, aus der aufgeklärten Gruppe waren es 12%!

Das können SIE tun

  • Sich mit dem Thema auseinandersetzen, sich informieren, auf Anlaufstellen hinweisen.
  • Sie können sich bei uns melden, wenn Sie Unterstützung benötigen, Beratung wünschen, Hilfe und Fragen zu einer Strafanzeige haben, Fortbildungen organisieren wollen oder Informationen zur Thematik benötigen.
  • Wenn Sie selbst von Gewalt betroffen sind, können Sie bei uns persönliche Einzelberatungen, Kriseninterventionen erhalten (kostenlos und auf Wunsch anonym).
  • Auch Bezugspersonen haben ein Recht auf Unterstützung und können sie bei uns erhalten.
  • Sie können bei uns Informationen in leichter Sprache erhalten.
  • Sie können bei uns Flyer und Informationsmaterial bestellen.

Mehr zu unseren Angeboten finden Sie in unseren Flyern.

Wenn Sie unsere Arbeit in diesem Bereich unterstützen möchten, ...

  • ...können Sie Mitglied in unserem Förderverein werden.
  • Sie können für den Bereich spenden:
    Stichwort Gemeinsam aktiv, Spendenkonto Hannoversche Volksbank, IBAN DE 65 251 900 01 0395 604 000, BIC VOHADE 2HXXX.

Tipps, wenn Sie von sexuellen Übergriffen erfahren

  • Keine übereilten Schritte – holen Sie sich Unterstützung.
  • Glauben schenken – Gesprächsmöglichkeiten anbieten.
  • Die Bedürfnisse der Betroffenen erfragen und respektieren.
  • Betroffene so weit wie möglich und wie von ihr gewünscht als aktiv Handelnde und Entscheidende in den gesamten Prozess einbeziehen, um gemachte Opfererfahrungen nicht zu verstärken.
  • Der Schutz der Betroffenen steht im Vordergrund.
  • Verbündete suchen, klären, wer sich in der Lage fühlt, Unterstützung zum Thema anzubieten; Supervision / Austausch zu Vorgehensweisen und eigenen Emotionen.
  • Gleichzeitige Diskretion: Privatsphäre der Betroffenen respektieren, Übergriff soll nicht in aller Munde sein.
  • An wen können Sie sich in Ihrer Einrichtung wenden? Gibt es Schutzkonzepte, Handlungsleitlinien – Fragen Sie danach.
  • Um zu intervenieren, braucht es Fakten: Protokoll führen (was ist geschildert, wann, welche Handlungsschritte wurden wann von wem unternommen? etc.)
  • Anzeigenerstattung: Ja oder Nein.

Arbeitskreis Sexuelle Gewalt und Behinderung

Seit 2007 gibt es bei uns einen Arbeitskreis, in dem sich Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Einrichtungen und Institutionen austauschen und gegenseitig stärken. Neue Interessierte sind herzlich willkommen. Fragen Sie bei uns nach den nächsten Terminen. Mehr Informationen zum Arbeitskreis...

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