(0511) 33 21 12 | Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen Hannover e. V. | Beratung - Unterstützung - Prävention - Information

Öffentlichkeitsarbeit

Foto Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e. V. Hannover, Fotografin: Maren NeubeltEs bestehen über das Thema „Sexuelle Gewalt“ immer noch weit verbreitete Fehlinformationen und Klischeevorstellungen.

Zwar hat sich in den letzten Jahrzehnten hier sehr viel getan: an Unterstützung für Opfer, an dem Zur-Verfügung-Stellen von Hilfsangeboten und verbreiteten Informationen zur Thematik. Und doch halten sich hartnäckig Fehlinformationen und Mythen über das tatsächliche Ausmaß, über Hintergründe und über Folgen von sexualisierter Gewalt. Hier tragen wir mit unserer Öffentlichkeitsarbeit kontinuierlich dazu bei, ein realistisches Bild von der Problematik sexueller Gewalt zu vermitteln und zum Beispiel über weit verbreitete Mythen aufzuklären.

Mit themenspezifischen Informationsveranstaltungen sollen falsche, auf Vorurteilen beruhende Bilder über sexuelle Gewalt und ihre Opfer korrigiert werden. Nur durch genaues Wissen über Zusammenhänge und Hintergründe können langfristig Veränderungen im Umgang mit Betroffenen (und Tätern) stattfinden. Informationen, Wissen und dadurch Verständnis helfen Betroffenen, dass sie auch durch ihr soziales Umfeld angemessen unterstützt werden.

Gezielte Öffentlichkeitsarbeit trägt außerdem dazu bei, dass möglichst viele betroffene Frauen und Mädchen erfahren, wo sie sich Unterstützung holen können und dass sie ein Recht darauf haben.

Foto Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e. V. Hannover, Fotografin: Maren NeubeltWir bringen Tabuthemen oder ignorierte Themen in die öffentliche Diskussion, so zum Beispiel zu Gewalt gegen ältere Frauen, zu K.O.-Tropfen, zu sexuelle Gewalt und Behinderung und anderes mehr. Wir machen unsere Ansätze in der Fachwelt bekannt. In Arbeitskreisen und Runden Tischen arbeiten wir an Konzepten zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Frauen mit.

Wir tun dies unter anderem mit: Informationsständen bei Veranstaltungen, Organisation von Fachtagungen, Informationsveranstaltungen, Herausgeben von Broschüren, Filmreihen, Pressearbeit, Fortbildungen und anderes mehr.

Unsere Maßnahmen zum Arbeitsschwerpunkt „Sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen mit Behinderungen“ verstehen wir als ganz wesentlichen Teil unserer Öffentlichkeits- und Präventionsarbeit. Gerade in diesem Tabubereich ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig.

Kampagne "Gemeinsam aktiv gegen sexualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen mit Behinderungen"Diese Kampagne will

  • sensibilisieren für das Thema „Gewalterfahrungen von Mädchen und Frauen mit Behinderungen“
  • aufklären über die Existenz und das Ausmaß der Gewalt
  • informieren über Hilfsmöglichkeiten
  • Bewusstsein schaffen für eine Kultur des Hinschauens und des Respektes

In Zusammenarbeit mit dem Referat für Frauen und Gleichstellung der Stadt Hannover starten wir eine Kampagne, die über die besondere Situation von Mädchen und Frauen mit Behinderungen aufklärt. Sie findet vom 24.11. bis zum 01.12.2014 statt. Mit Citylight-Postern an ausgewählten Standorten im Stadtgebiet und im Fahrgastfernsehen der Stadtbahnen sowie in den U-Bahn-Stationen machen wir gemeinsam auf das Thema aufmerksam.
Das Datum der Kampagne ist nicht willkürlich gewählt, sondern erfolgt im Rahmen des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25.11.

Erschreckend hohes Ausmaß von Gewalt
Sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen mit Behinderung ist kein Randthema, sondern kommt häufiger vor als die meisten Menschen vermuten. Die neueste Studie („Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 2012) zeigt auf, dass durchschnittlich 44 % aller Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen sexuelle Gewalt erleben. Mit 56% sind den Studienergebnissen zufolge Frauen ohne Lernschwierigkeiten, die in Einrichtungen leben, am häufigsten von sexualisierter Gewalt betroffen. In Kindheit und Jugend hat laut Studie jede 3. bis 4. Frau mit Behinderung sexualisierte Gewalt erleben müssen. Die Studie belegt damit das erschreckend hohe Ausmaß an Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderungen.

Behinderung und Gewalt hängen oft zusammen
Frauen und Mädchen mit Behinderung haben nicht nur ein größeres Risiko, Opfer von Gewalt zu werden. Umgekehrt ist zu vermuten, dass die frühen Gewalterfahrungen maßgeblich zu späteren gesundheitlichen und psychischen Beeinträchtigungen und Behinderung beigetragen haben.

Das Schweigen darüber ist nach wie vor groß
Sexualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen mit Behinderung ist für die allgemeine Öffentlichkeit immer noch ein Tabu. In Fachkreisen ist der Bewusstseins- und Informationsstand über das Ausmaß und Vorkommen erfreulicherweise sehr viel größer geworden. Dazu haben sicherlich die Behindertenrechtskonvention, die Deutschland am 26.03.2009 in Kraft getreten ist, die einschlägigen Studien dazu und vor allem das Thema Inklusion beigetragen.
Für Frauen mit Behinderungen ist es oft noch schwieriger, über Gewalterfahrungen zu sprechen bzw. Taten deutlich zu machen als für Frauen ohne Behinderungen. Signale werden nicht selten der Behinderung zu geschrieben, es fehlt eine Sprache über Sexualität, Opfer kennen die Unterstützungseinrichtungen nicht, Abhängigkeiten von Tätern und deren Umfeld, machen es schwer diese zu „verraten“ etc.

Hinschauen, Helfen und Respektieren
Fachkräfte sind angesprochen, das Thema ernst zu nehmen und wachsam für Signale von Betroffenen zu sein.
Auf unserer Internetseite finden Fachkräfte und vor allem Betroffene Informationen darüber, welche Hilfestellungen es gibt und was sie tun können.

Die Kampagne ermutigt Frauen und Mädchen mit Behinderungen, sich Hilfe zu holen, indem sie signalisiert: Wir nehmen das Thema ernst- und wahr. Sie zeigt vor allem auf, wo Fachkräfte und Betroffene Hilfe finden können.

Maßnahmen zur Prävention ergreifen
Die erschreckend hohe Zahl von Frauen mit Behinderungen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, verdeutlicht den dringenden Handlungsbedarf sexualisierter Gewalt präventiv entgegenzuwirken. Dazu müssen auf verschiedenen Ebenen Präventionsmaßnahmen getroffen werden:

  • Sexualaufklärung und Selbstbehauptungstrainings für potentiell Betroffene
  • Fortbildungen und Fachtagungen für Fachpersonal in Behinderteneinrichtungen und Beratungsstellen
  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema
  • Leitlinien und Handlungsleitfäden für Einrichtungen im Umgang mit sexualisierter Gewalt

Seit Oktober 2014 läuft beim Frauennotruf Hannover das Projekt „STOPPT SEXUELLE GEWALT! - Prävention und Unterstützung von Frauen und Mädchen mit Behinderungen“, um das Thema aus der Tabuzone ins allgemeine Bewusstsein zu holen. Darin bieten wir Veranstaltungen, auch für Einrichtungen, Selbstverteidigung- und Selbstbehauptungskurse (Wen-Do), Gruppenangebote für Opfer von sexueller Gewalt, Informationsveranstaltungen, Fortbildungen, Fachtage etc. an. Rufen Sie uns an, wenn Sie Interesse an den Angeboten oder Fragen dazu haben.

Auf unserer Website haben wir Informationen zum Thema in „schwerer“ und „leichter“ Sprache zusammengestellt. Wesentliche Texte finden sich als Audiodatei und in Gebärdensprache übersetzt.

Informationen und Unterstützung finden Sie hier:

Auf unserer Seite über Sexuelle Gewalt und Behinderung erfahren Sie mehr über Mythen über Sexualität von Menschen mit Behinderung und "Das kann ich tun".

Zum Nachlesen: Kurzfassung der Ergebnisse der Studie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland". Eine repräsentative Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

In unseren Rundbriefen informieren wir regelmäßig über unsere Arbeit und über bestimmte Schwerpunktthemen.

Rundbrief 2017 (Frühjahr/ Sommer 2017)

Rundbrief 2016 (Herbst 2016)

Rundbrief 1/2015 (Sommer 2015)

Rundbrief 2/2014 (Herbst/Winter 2014)

Rundbrief 1/2014 (Frühjahr 2014)

Rundbrief 1/2012 (Winter/Frühjahr 2012)

Rundbrief 1/2010 (Oktober 2010)

Rundbrief 2/2009 (Herbst/ Winter 2009)