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Mythen

Diese Mythen, Klischeevorstellungen, Vorurteile verleugnen und bagatellisieren sexualisierte Gewalt.
Sie entlasten den Täter von seiner Verantwortung und schreiben den Opfern die Schuld zu.

Mythos: Sexuelle Übergriffe passieren fast immer überfallartig, und zwar draußen in dunklen und einsamen Gegenden.

Fakt: Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch an Kindern werden in der Regel von den Tätern im Voraus genau geplant. Die Übergriffe finden meistens an Orten und in Situationen statt, an denen Frauen und Kinder sich sicher fühlen, z.B. in der Schule, am Arbeitsplatz, in der eigenen Wohnung und im eigenen Bett.

Mythos: Die Täter sind meistens Fremde.

Fakt: Sexualisierte Gewalt wird eher selten von Fremden verübt. Die Täter sind meistens Bekannte oder Verwandte des Opfers, sind Nachbarn, Arbeitskollegen, Lehrer, der Pastor. Oft ist es der Lebenspartner bzw. Ehemann. Untersuchungen haben ergeben, dass das Ausmaß der Gewalt in der Familie größer ist als in jedem anderen gesellschaftlichen Bereich. Gerade also im sozialen Nahbereich, in der Familie erfahren Frauen und Mädchen Gewalt und Erniedrigung. Durch die Privatheit dieser Sphäre wird diese Gewalt verheimlicht, verschleiert, Frauen und Kinder entbehren hier jedweden Schutzes.

Mythos: Die Täter kommen meist aus der Unterschicht, und oft sind sie Ausländer.

Fakt: Sexualisierte Gewalt wird von Männern jeder sozialen Schicht und Nationalität verübt. Professoren und Ärzte sind darunter ebenso zu finden wie Bauarbeiter oder Arbeitslose. Ein Täter wird jedoch eher angezeigt und verurteilt, wenn er aus einer gesellschaftlich nicht so hoch angesehenen Gruppe stammt.

Mythos: Männer, die Frauen vergewaltigen oder Kinder missbrauchen, sind krank oder verrückt.

Fakt: Die Täter unterscheiden sich i.d.R. nicht von den sogenannten normalen Männern. Die Täter sind - bis auf wenige Ausnahmen - weder krank noch psychopathisch. Sie scheinen sich allerdings von Nicht-Tätern darin zu unterschieden, dass sie an den in unserer Gesellschaft herrschenden frauenfeindlichen Werten und Einstellungen besonders stark festhalten, d.h. an den für unsere Kultur charakteristischen Männlichkeitsidealen orientiert sind. Zu diesem Mythos gehört auch die Ansicht, sexualisierte Gewalt als ein rein sexuelles Problem zu verstehen. Täter- und Opferbefragungen zeigen jedoch, dass sexualisierte Gewalt weniger als gewalttätige Sexualität denn als sexualisierte Gewalttätigkeit begriffen werden muss.

Mythos: Sexualisierte Gewalt trifft vor allem Frauen, die jung sind, gut aussehen, sich aufreizend kleiden und verhalten. Einer „anständigen“ Frau passiert so etwas nicht.

Fakt: Mädchen und Frauen jeden Alters sind von sexualisierter Gewalt betroffen, ein Baby ebenso wie eine alte Frau. Es macht auch keinen Unterschied, wie „schön“ oder „hässlich“ sie ist. Es ist nicht die sexuelle Attraktivität oder das „aufreizende“ Verhalten des Opfers, was zur Tat führt, sondern der Wille und die Absicht des Täters.

Mythos: Sie hat es ja gewollt - schließlich hat sie sich ja nicht gewehrt.

Fakt: Alle Opfer sexualisierter Gewalttaten setzen sich in irgendeiner Weise gegen den Täter zur Wehr. Sie sagen „Nein“ (was oft als „Ja“ interpretiert wird), versuchen, sich ihm zu entziehen oder kämpfen mit ihm. Der Täter aber setzt sich mit Macht über ihren Willen hinweg. Erschwerend ist, dass Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft kaum lernen, sich Männern gegenüber zu behaupten, aggressiv zu sein und zu kämpfen. Ihnen wird geraten, sich nicht zu wehren, wenn sie angegriffen werden. Daher haben viele Angst zu kämpfen und wissen auch nicht, wie. Zudem können Schockerleben und Todesängste Widerstand praktisch unmöglich machen. Aus fehlender Gegenwehr kann deshalb nicht geschlossen werden, dass ein Mädchen oder eine Frau „es“ gewollt hat.