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Ansätze zur Prävention in Einrichtungen

Projekt "Behindert sexuelle Gewalt!"

Wirksame Prävention in Einrichtungen braucht Maßnahmen

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Die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention stellt Einrichtungsleitungen und pädagogisches Fachpersonal mit dem Schutzauftrag und der Verpflichtung Selbstbestimmung zu ermöglichen vor komplexe Problemstellungen, die im Alltagsgeschäft nicht nebenbei gelöst werden können.

Dass laut Studienergebnissen mehr als 40% der Täter Menschen sind, deren Aufgabe es ist, Menschen mit Beeinträchtigung bei der persönlichen Lebensbewältigung zu unterstützen (vgl. Unterstaller 2008, 16), verdeutlicht, dass Institutionen ein „Hochrisikobereich für sexuelle Übergriffe“ sind (Tschan2012,74).

Präventive Maßnahmen, die Einrichtungen zu sichereren Orten machen können, müssen dabei auf verschiedenen Ebenen ansetzen:

Selbstbewusstsein und Partizipation fördern

Im Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen beschränken Fremdbestimmung, Abhängigkeiten und Diskriminierungserfahrungen die Möglichkeiten, selbstbewusst eigene Interessen zu entwickeln und einzubringen.

Teilhabeerfahrungen, die mittlerweile durch die UN-Behindertenrechtskonvention verbürgtes Recht sind, steigern das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Darüber wird Selbstvertrauen in die eigenen Kompetenzen gestärkt, was eine wichtige Voraussetzung dafür ist, sich gegen sexualisierte Gewalt zu wehren.

Selbstbewusstsein und Partizipation zu fördern ist also eine wichtige Grundlage zur Prävention sexueller Gewalt. Zeit- und Kostendruck im Einrichtungsalltag erschweren es auf Individualbedürfnisse einzugehen. Selten bleibt ausreichend Zeit zu prüfen inwieweit Strukturen, Konzepte und professionelle Haltungen geeignet sind, wirksam die Selbstbestimmung der Klientel zu fördern.

Sexualpädagogik bewusst einsetzen

Sexuelle Selbstbestimmung soll über die Behindertenrechtskonvention rechtlich garantiert werden. Alle Menschen sind sexuelle Wesen. Deshalb ist Sexualität auch in Einrichtungen der Behindertenhilfe ein allgegenwärtiges Thema.

Da Sexualpädagogik bei vielen pädagogischen Fachkräften nicht Teil der Ausbildung war, sind Fachkräfte häufig verunsichert, wie sie mit sexuellen Regungen ihrer Klientel umgehen sollen. Manchmal führt dies dazu, dass Sexualität in der Einrichtung tabuisiert wird. Sexualpädagogische Konzepte können Fachkräften einen sicheren Boden bereiten, um ihre Klientel bei der Entwicklung einer selbstbewussten Sexualität zu unterstützen und sie zu ermutigen, sich gegen sexuelle Grenzüberschreitungen zu wehren.

Ein im Einrichtungsalltag gelebter, reflektierter Blick auf Geschlechterrollen ist ein Baustein bewusster Sexualpädagogik, da die Fragen wie Sexualität gelebt wird und welche Vorstellungen darüber existieren, untrennbar mit Vorstellungen über Geschlechterrollen verknüpft sind.

Sexuelle Gewalt enttabuisieren

Abhängigkeitsverhältnisse, Selbstwertthematiken und Folgen der Beeinträchtigung machen Frauen und Mädchen mit Beeinträchtigungen angreifbarer für sexualisierte Gewalt. Sie sind oft stärker auf Unterstützung durch professionelle Helfende angewiesen, wenn sie sexualisierte Gewalt beenden oder ihre Erfahrungen verarbeiten wollen. Wirksame Prävention muss sich deshalb sowohl an Betroffene als auch an deren unterstützendes System richten.

Fachkräfte fühlen sich häufig unsicher, woran sie sexualisierte Gewalt erkennen und wie sie professionell intervenieren und unterstützen können. Das hessische Netzwerk behinderter Frauen macht darauf aufmerksam, dass es im Gewaltschutzgesetz keinen klaren Passus gibt, der die Interessen von in Einrichtungen lebenden Frauen adäquat berücksichtigt. Männer mit Beeinträchtigung, die sexuell übergriffig werden, stellen Einrichtungen vor ein Problem: Es gibt keine adäquaten Möglichkeiten, Täter mit Beeinträchtigungen getrennt unterzubringen. Sie können erschwert der Einrichtung verwiesen werden. Gleichzeitig ist es für eine betroffene Frau elementar wichtig, einen Freiraum zu haben, in dem sie nicht durch Anwesenheit des Täters weiterhin einer Bedrohung ausgesetzt ist oder durch ihn an erlebte sexuelle Gewalt erinnert wird.

Zeitdruck, Unsicherheit  und die äußerst unangenehme  Aufgabe nötigenfalls einen Kollegen oder eine Kollegin als Täter/in zu outen, können dazu führen, dass  Clearing-Prozesse verschoben oder nicht in Gang gesetzt werden.  In Einrichtungen erarbeitete Standards im Beschwerdemanagement erleichtern es Fachkräften und Klientel sexualisierte Übergriffe aufzudecken.  Leitlinien darüber, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten, um die Betroffenen angemessen zu schützen, helfen Unterstützungsprozesse in Gang zu setzen und vermitteln Klarheit in der Vorgehensweise.

Förderung des Projekts

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