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Spezifische Gefährdung von Frauen und Mädchen mit Beeinträchtigung

Projekt "Behindert sexuelle Gewalt!"

Spezifische Barrieren im Leben von Frauen und Mädchen mit Beeinträchtigungen erschweren Grenzsetzungen

Projektlogo "Behindert sexuelle Gewalt!" Eine Studie des BMFSFJ dokumentiert, dass Gewalt im Leben von Frauen mit Beeinträchtigungen kontinuierlich eine Rolle spielt. Sie erfahren häufig psychische und physische Gewalt als „Umgang“ mit oder als Reaktion auf ihre Beeinträchtigung. Neben Diskriminierungen bei Begegnungen mit Menschen ist strukturelle Gewalt in Form von eingeschränkten Rechten und materiellen Barrieren Alltagserfahrung von Frauen mit Beeinträchtigung.

Ein häufig auch durch Kostendruck bedingtes hohes Maß an Fremdbestimmung beim Leben in Heimen (keine Auswahlmöglichkeiten von Pflegeperson, Essenzeiten, Nahrungsmitteln, Zimmergenoss/innen etc.) fördert die Wahrnehmung der Frauen, nicht über ihre Grenzen, Wünsche und Bedürfnisse selbst bestimmen zu dürfen. Sie lernen Gefühle von Abwehr, Unlust und Trauer zu übergehen.

Gerade Pflege durch andere Menschen ist eine sehr intime Situation, aus der die Erfahrung gewonnen wird: Andere Menschen dürfen meinen Körper berühren. Vor diesem Erfahrungshintergrund ist es um so schwerer Grenzüberschreitungen in Bezug auf Berührungen als solche zu erkennen.

Diese Faktoren begünstigen, dass Frauen mit Beeinträchtigung weniger selbstverständlich ein Bewusstsein für eigene Grenzen entwickeln oder sich weniger über ihr Recht, die eigenen Grenzen verteidigen zu dürfen, im Klaren sind. Betroffene befürchten, nach einer Grenzsetzung benötigte Hilfe nicht mehr zu bekommen. Hinzu kommt, dass sich manche Frauen durch ihre Beeinträchtigung nur schwer äußern oder verständlich machen können. (vgl. Hessisches Netzwerk behinderter Frauen 2012)

Soziale Isolation aufgrund von Unterbringung in Heimen und andere Auswirkungen gesellschaftlicher Diskriminierung erhöhen das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und wirken schwächend auf das Selbstbewusstsein von Menschen. Sie machen Frauen mit Beeinträchtigung für sexualisierte Gewalt angreifbarer.

Diese Dynamiken der Benachteiligung nutzen Täter gezielt aus: Sie vertrauen darauf, dass die Frauen sie nicht verraten.
Tabuisierungen der Sexualität von Menschen mit Beeinträchtigung und der Glaube, Frauen mit Beeinträchtigung würden nicht als attraktive Sexualpartnerinnen wahrgenommen, verschleiern den Blick auf das Problem. Sexuelle Gewalt hat nichts mit Erotik zu tun, sondern mit Macht und Gewalt.

Förderung des Projekts

Logos FörderInnen Projekt "Behindert sexuelle Gewalt!"